Mahnwache am 03.01.2016: „Frieden in Kurdistan“

SGLL-BRV-DR16011116170_0001Bremervörder Zeitung vom 06.01.2016 (Klicken zum Vergrößern)

Frieden in Kurdistan – Deutsche Unterstützung des türkischen Staatsterrors beenden! Mahnwache am Sonntag, 3. Januar 2016, 14 Uhr, Neue Str./Brunnenstraße, Bremervörde  Im kurdischen Osten der Türkei führt die AKP-Regierung Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Schon seit letztem Sommer werden in kurdischen Hochburgen wie Diyarbakir, Cizre, Silopi und Nusaybin immer wieder tagelang Ausgangssperren über die Städte verhängt. Wer trotzdem auf die Straße geht, droht von Scharfschützen der Sicherheitskräfte erschossen zu werden, egal ob Kinder, Frauen, Alte. Unter den Sicherheitskräften sind auffallend viele Bärtige; in den Städten hinterließen sie islamistische Parolen. In den letzten Wochen spitzt sich die Lage zu. In 2 Wochen wurden mindestens 200 Menschen getötet. In 17 Orten gibt es Ausgangssperren, zum Teil schon seit 3-4 Wochen. Abgeriegelte Stadtteile werden mit Artillerie beschossen, viele Gebäude sind zerstört. Immer wieder werden Strom-, Wasser- und Telefonleitungen gekappt. Etwa 16 000 Sicherheitskräfte des türkischen Staates griffen allein die Stadt Cizre an, mit Panzern, Granaten und Maschinengewehren. Und immer noch kommen Panzer nach. Wer Verletzte versorgen oder Tote begraben will, kommt selbst unter Beschuss. Die Feuerwehr wird gehindert, brennende Gebäude zu löschen. Etwa 200 000 Menschen sind inzwischen aus diesen Städten geflüchtet. Andere, vor allem Jugendliche und neuerdings auch Frauen organisieren sich und versuchen, mit Barrikaden und Gräben die Panzer am Vordringen zu hindern und die Bewohner zu versorgen. Warum dieser Krieg gegen die Kurden? Die Vorgeschichte reicht weit zurück. Deren letzte Etappe ist eng verbunden mit den islamistischen Milizen im Irak und Syrien. Trotz gegenteiliger Verlautbarungen unterstützte die AKP-Regierung den IS, aber auch die Al-Nusra Front und andere islamistische Verbände, bei ihrem Vormarsch im Norden von Irak und Syrien. Waffen und Kämpfer wurden über die Türkei nach Syrien gebracht. Erbeutetes Erdöl wird in der Türkei verkauft. Daran bereichert sich Erdogans Familie persönlich. Strategisch ist für die Türkei die Zerlegung ihrer Nachbarländer von Interesse, um ihr eigenes Gewicht in der Region zu stärken – bis hin zu Träumen von einem neuen Osmanischen Reich. Die in Selbstverwaltungsstrukturen organisierten und durch lange Verfolgung kampferprobten Kurden durchkreuzten diese Pläne, als sie – zuerst in Kobane – den IS erfolgreich bekämpften. Auch ideologisch sind sie scharfe Kontrahenten der neoliberalen AKP. Sie treten für eine basisdemokratische, laizistische und multiethnische Gesellschaft ein, mit Gleichberechtigung der Frauen und ökologischer, solidarischer Wirtschaft. Vor allem im Norden Syriens, in Rojava, gelang ihnen ansatzweise die Umsetzung dieser Ziele. In der Türkei verfolgt die Demokratische Partei der Völker (HDP) ähnliche Ziele und mobilisiert so kurdische und türkische Linke gegen den islamistischen und antidemokratischen Kurs der AKP. Unter Erdogan wurden wichtige Posten in Militär, Polizei und Justiz durch AKP-Anhänger besetzt und das Bildungssystem durch starken Ausbau von Religionsschulen geprägt. Die bedeutendsten Medien gehören regierungsnahen Kreisen. Eine Verfassungsänderung zu einer Präsidialregierung soll diese Machtanhäufung um Erdogan verfestigen. Nach der Wahl im Juni 2015 Im Juni 2015 verhinderte der Wahlerfolg der HDP den Plan einer Alleinregierung der AKP. Seither verfolgt die AKP eine angekündigte Strategie der Spannung.

  • Bei Bombenanschlägen im Juli auf eine Aufbaugruppe für Kobane in Suruc, im September auf eine Wahlveranstaltung der HDP in Diyarbakir und im Oktober auf eine Friedensdemonstration in Ankara starben insgesamt 146 Menschen. Alle 3 Attentate gehen auf die gleiche islamistische Zelle zurück, der Attentäter von Suruc und einer der Attentäter von Ankara waren Brüder. Der türkische Geheimdienst soll die Gruppe beobachtet haben, aber vor den Attentaten keine rechtliche Möglichkeit zum Einschreiten gehabt haben.
  • Der Chefredakteur der renommierten oppositionellen Tageszeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar und deren Büroleiter in Ankara Erdem Gül wurden im November aufgrund einer persönlichen Anzeige von Erdogan wegen Spionage und Verbreitung von Staatsgeheimnissen verhaftet. Ihr „Vergehen“: Die Cumhuriyet hatte im Mai Fotos vom Waffenschmuggel zu Truppen des IS in Lastwagen des türkischen Geheimdienstes veröffentlicht.
  • Der beliebte und erfolgreiche Menschenrechtsanwalt Tahir Elci wird im November 2015 in Diyarbakir auf der Straße erschossen, bei einer Pressekonferenz im Rahmen einer Demonstration gegen die militärischen Angriffe auf die Altertümer der Stadt. Zuvor hatte er in einer Fernseh-Talkshow vertreten, dass die PKK (Kurdische Arbeiterpartei) nicht pauschal als terroristische Organisation angesehen werden solle, sondern eine bewaffnete politische Bewegung sei. Die Ermittlungen am Tatort wurden durch das Verhängen einer Ausgangssperre verhindert.
  • Bei einer Hausdurchsuchung in Istanbul wurde die linke Aktivistin Dilek Dogan gezielt erschossen.

Und was macht Deutschland?

  • Deutschland bleibt der zuverlässige Waffenbruder, schickt nach Patriot-Raketen nun AWACS-Aufklärungsflugzeuge zur Unterstützung der Türkei.
  • Die deutsche Regierung protestiert nicht gegen das Morden der türkischen Sicherheitskräfte, dem schon Hunderte von Zivilisten zum Opfer fielen.
  • Sie billigte den Abschuss eines russischen Kampfjets durch türkisches Militär, obwohl dessen Einsatz nicht gegen die Türkei, sondern gegen von der Türkei unterstützte turkmenische Islamisten in Syrien gerichtet war.
  • Sie bezahlt der Türkei 3 Milliarden Euro für die Abschottung Europas, obwohl bekannt ist, dass die Türkei die Flüchtlinge überwiegend sich selbst überlässt.
  • Die Leitmedien, auch in Deutschland regierungsnah, übernehmen oft unrecherchiert die Meldungen der türkischen Presseagenturen und berichten falsch oder gar nicht.

Die Bundesregierung verhält sich keineswegs neutral. Mit ihrer Rückendeckung für eine Türkei, die maßgeblicher Unterstützer der Islamisten ist und selbst Terror produziert, fällt sie den Verteidigern von Demokratie und Menschenrechten in den Rücken. Gemeint ist die kurdische Bewegung beiderseits der türkisch-syrischen Grenze, eine fortschrittliche Kraft, die einen Hoffnungsschimmer für die gesamte Region darstellt. Wir fordern:

  • Keine AWACS, keine Rüstungsgüter in die Türkei
  • Freie politische Betätigung auch in Deutschland:

Weg mit dem PKK-Verbot, Freilassung der inhaftierten Aktivisten

  • 3 Mrd. € Aufbauhilfe für Kobane, nicht für Flüchtlingsabwehr
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8. November: Café der Kulturen

Flyer

Hier der Bericht, der am 11. November im Bremervörder Anzeiger erschien. (Zum Vergrößern anklicken)

2015-11-11 - Anzeiger Cafe der Kulturen

Zeitungsartikel / Grillen mit Flüchtlingen

Hier der Artikel der Bremervörder Zeitung vom Grillen mit Flüchtlingen am Vörder See. (Zum Vergrößern anklicken)

Grillen mit Flüchtlingen

Sonntag, 06.09.2015: Grillen mit Flüchtlingen. Beginn 16 Uhr

Liebe Leute.

das Aktionsbündnis Bremervörde ruft zu einem gemeinsamen Grillen mit Flüchtlingen an der Grillstation am Vörder See auf.
Auch im Raum Bremervörde kommen viele neue Flüchtlinge an. Wir möchten sie einladen, sich im (lockeren und niederschwelligen) Rahmen eines Grillnachmittags am Vörder See mit Menschen, die hier schon länger oder womöglich bereits ihr ganzes Leben leben, zu treffen.

Die Idee ist, dass jede und jeder etwas für das gemeinsame Grillen mitbringt. Dazu die eine oder der andere vielleicht noch ein Spiel(gerät) oder ein Musikinstrument.
Wir werden für Holzkohle und auch ein paar Getränke sorgen.

Gebt den Termin bitte weiter. Vielleicht wohnen in Eurer Nachbarschaft ein paar Flüchtlinge, die vor kurzem in unsere Gegend gekommen sind. Und, ganz wichtig, sagt es auch Menschen mit kleinem oder ohne Migrationshintergrund weiter. Das Treffen ist gedacht zum Kennenlernen und Kontakte knüpfen.

Rencontrons-nous!
Kommt zusammen!
Bib ne yek!
Come together!

Immer mehr Flüchtlinge machen sich auf den verzweifelten, teuren und gefährlichen Weg nach Europa. Zum Umgang mit diesen Flüchtlingen hört man aus der Politik je nach aktuellen Todeszahlen im Mittelmeer mal bedauernde Töne und vage Versprechungen von Hilfe, hauptsächlich werden jedoch Maßnahmen diskutiert und beschlossen, welche auf die Abwehr der Flüchtlinge zielen.

Die europäische Union und deren Nationalstaaten bewerten jeden Menschen nach kapitalistischer Logik nach dessen Verwertbarkeit und nationaler Identität. An den Flüchtlingen, egal ob sie nun vor Krieg, Armut oder Hunger fliehen, haben sie dabei keinerlei Interesse. An denjenigen Ressourcen, menschlichen wie materiellen, von welchen sie sich einen Nutzen erhoffen, bedienen sie sich dagegen ganz selbstverständlich. Landgrabbing, Rohstoffabbau, intensive Befischung der europäischen Fischfangflotte in afrikanischen Gewässern und nicht zuletzt Kriegshandlungen oder die Unterstützung von Despoten sind Beispiele, durch welche die europäische Politik und Wirtschaft dazu beiträgt, dass vielen Menschen immer weniger Perspektiven in der eigenen Heimat bleiben.

Doch bei der Benennung der vielfältigen Fluchtgründe wird die hier lebende Bevölkerung für vollends naiv verkauft und ihnen anstatt von Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit einzig die Existenz von Schleusern als Ursache vorgesetzt. Diese stellen natürlich nur ein Symptom und keineswegs die Ursache der Fluchtbewegungen dar, an welchen die europäischen Staaten keinesfalls unbeteiligt sind.

Diejenigen Flüchtlinge, welche es schaffen die immer höher gezogenen und höher gerüsteten Mauern der Festung Europa überwinden und es hier nach Deutschland schaffen, werden hier von staatlicher Seite zuallererst als Kostenfaktor betrachtet, welchen es im Idealfall wieder loszuwerden gilt. Diese Logik übernehmen Teile der Bevölkerung und begegnen den Flüchtlingen mit Skepsis, Ablehnung oder immer öfter mit offen zur Schau getragenem Hass.

Deshalb möchte das Aktionsbündnis Bremervörde die hier lebenden Flüchtlinge willkommen heißen und einen netten Tag mit ihnen verbringen um ins Gespräch kommen und sich kennen zu lernen. Dazu soll am Sonntag, den 06. September, ab 16 Uhr gemeinsam beim Grillplatz am Vörder See gegrillt werden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen mitzumachen. Für Grill, Kohle und einige Getränke ist gesorgt, für den Grill bringe sich jede und jeder selbst etwas mit. Über Salatspenden würde sich das Bündnis ebenfalls freuen.

Spendensammlung für Flüchtlinge aus Syrien und dem Nordirak

In der Vorweihnachtszeit sammelte das Aktionsbündnis gemeinsam mit ortsansässigen Kurd*innen für die Flüchtlinge, welche in Syrien und dem Nordirak vor dem Islamischen Staat (IS) geflohen sind. Es wurden Geld- und Sachspenden gesammelt. Das gespendete Geld wurde in die Türkei überwiesen, wo es für dringend benötigte Medikamente für die Flüchtlinge genutzt werden soll.
In Hinblick auf den Wintereinbruch wurde insbesondere um Winterkleidung gebeten. Die Kleiderspenden sollten ursprünglich mit einem LKW mit Hilfsgüter von Bremen in die Türkei befördert werden. Da allerdings eine Hilfslieferung ab Hamburg zeitnaher startete, nutzten wir diese Gelegenheit. So starteten die Spenden fast direkt nach der Sammlung in Richtung Shingal-Gebirge im Nordirak. Auch dort sind Tausende auf der Flucht vor dem IS und benötigen dringend Hilfe.
Wir freuen uns, dass viele Bürger*innen dem Spendenaufruf gefolgt sind und möchten uns herzlich dafür bedanken!

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Einweihung „Die Bleierne Zeit“

StatueAm 10. März 2014 wurde nach langer Standortsuche das Atommahnmal „Die Bleierne Zeit“ von Gerd Rehpenning eingeweiht. Die Statue hat ihren dauerhaften Platz nun in zentraler Lage in der Bremervörder Innenstadt, neben der Ratsapotheke, gefunden.

30 interessierte Bürger*innen folgten der Einladung zur Einweihung und verfolgten die Redebeiträge. Anschließend hielt ein Teil noch eine Mahnwache zum dritten Fukushima-Jahrestag ab.

Nachdem sich die Standortsuche mit der Stadtverwaltung als schwierig und langwierig erwiesen hat, danken wir besonders Inge Heise und der Liboriuskirche für die letztendliche Realisierung!

Artikel Bremervörder Zeitung. Anklicken zum Vergrößern.

FUKUSHIMA 360º – Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011

MULTIMEDIA-VORTRAG 

Referent: ist der Umweltjournalist Alexander Neureuter

Wann: am 1. März ab 19 Uhr

Wo: im Ostel Jugendhotel, Feldstraße 9, Bremervörde

– Der Eintritt ist frei-

MutterMitKind_klWeltweit berichten die Medien kaum noch über Fukushima. Langsam aber sicher gerät die Atomkatastrophe in Vergessenheit und es verbreitet sich der trügerische Eindruck, dass alles nur halb so schlimm war, die Situation unter Kontrolle ist und sich das Leben der betroffenen Menschen wieder weitgehend normalisiert hat. Doch ist das wirklich der Fall? Wie sieht es heute aus in der Region um Fukushima – drei Jahre nach der größten Atomkatastrophe in der Geschichte der Menschheit? Wie hat die dreifache Reaktorkernschmelze den Alltag und das Leben der Menschen in Japan verändert?
Der deutsche Umwelt-Fotojournalist Alexander Neureuter, der im Jahr 2011 auch zehn Tage lang in der evakuierten Sperrzone von Tschernobyl recherchiert hat, begibt sich auf Spurensuche. Er blickt hinter die Kulissen des medialen Schweigens und erzählt anhand von 40 unterschiedlichen Personen und ihren Schicksalen davon, welche tief greifenden und unumkehrbaren Veränderungen der Atomunfall für jeden Betroffenen – einschließlich der 360.000 Kinder der Präfektur Fukushima – gebracht hat. 

Neureuter zeigt die Herausforderungen und Schwierigkeiten im alltäglichen Leben, berichtet über Verzweiflung und Hoffnung, teilt die Träume auf eine bessere Zukunft und wird Zeuge vom herausragenden Engagement einzelner Menschen, die selbstlos über sich hinauswachsen. Und er beschreibt die Skrupellosigkeit eines alteingesessenen Systems aus Ärzten, Beamten, Politikern, Medien, organisierter Kriminalität und Atomkonzernen, für die ein einzelnes Menschenschicksal nicht sehr viel zählt.

Aus mehr als 17.000 Fotos und über 80 Interviews mit Betroffenen entstand eine aktuelle Dokumentation über das Leben in der Präfektur Fukushima und über die vielen großen und kleinen Auswirkungen der Atomkatastrophe auf die japanische Gesellschaft. Mit Fakten und Informationen aus erster Hand widmet sich dieser Vortrag der Frage, ab welchem Punkt die Risiken einer Technologie gesellschaftlich, wirtschaftlich und ethisch untragbar werden.

Zum Referenten:

Alexander Neureuter wurde 1965 in Weert in den Niederlanden geboren. Nach seinem Jurastudium hat er als Executive Manager bei multinationalen Konzernen wie Daimler-Benz und Microsoft in Europa, den USA und Indien gearbeitet, bevor er das Schreiben und Fotografieren zu seinem Beruf gemacht hat.

Der Umwelt- und Reisejournalist lebt heute in Gartow im Wendland und arbeitet insbesondere an den Themen „Atomenergie“, „Erdgas-Fracking“ und „Chemie-Altlasten“. 2011 hat er zusammen mit dem Anti-Atom-Bündnis „.ausgestrahlt“ die Fotoausstellung „Was wäre, wenn …“ und den gleichnamigen Bildband mit Fotos seiner Tschernobyl-Expeditionen herausgebracht. 2014 hat er für das arte-Wissensmagazin „X:enius“ über Quecksilber-Altlasten als Folge der DDR-Erdgasförderung berichtet.